Streuobstwiese ist ein Naturparadies

Veröffentlicht am 30. Januar 2015  |  

Engagierter Vortrag von Stephan Grote im Naturschutzzentrum „Sägemühle“Engagierter Vortrag von Stephan Grote im Naturschutzzentrum „Sägemühle“

Das Interesse an Streuobstwiesen ist erstaunlich groß, kamen doch trotz heftigen Schneefalls und glatter Straßen viele Besucher in die Deele des Naturschutzzentrums „Sägemühle“, um den Ausführungen Stephan Grotes zu allen Bereichen des Streuobstanbaus zuzuhören. Der Fachmann in Sachen Streuobst ist bei der ANTL Leiter des LEADER-Projektes „Obstarche“, bei dem es in erster Linie um das Aufspüren und den Erhalt längst vergessener Obstsorten geht.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigte die große Bedeutung des Streuobstanbaus für die ganzjährige Versorgung der Bevölkerung mit frischem Obst. Im 17. Und 18. Jahrhundert wurde die Pflanzung von Obstbäumen durch die damaligen Herrscher angeordnet und das Wissen um die Obstbaukultur galt als Allgemeinwissen. In dieser Zeit entstand eine große Sortenvielfalt bei Apfel, Birne und anderen Obstarten, vielfach durch Zufallssämlinge. Hochstämmige Bäume ermöglichten die Doppelnutzung als Vieh- oder Mähwiese. Das Sortenspektrum bei Apfel und Birne umfasste frühe Sorten, Lagersorten bis zum Mai des Folgejahres und spezielle Sorten für die verschiedensten Verwendungszwecke. Stephan Grote stellte den Zuhörern einige regionale Apfelsorten vor.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren war man noch dankbar für jeden Apfel, aber einer fatalen EG-Verordnung aus dem Jahre 1969 fielen unzählige Obstbäume zum Opfer. Es gab sehr lukrative Rodungsprämien, so dass so manche Obstwiese aus unserer Landschaft verschwand. Wohnungsbau und Straßenbau verdrängten die Obstbäume aus den Gärten, von den Allmendeflächen und entlang der Straßen. Erst ab den 80-er Jahren besann man sich wieder dieser kulturellen Schätze. Wirtschaftliche Bedeutung haben Streuobstbestände bis heute nicht wiedererlangt, aber es geht um Erhalt der genetischen Vielfalt, der Sicherung der letzten verbliebenen Streuobstwiesen als Elemente unserer Kulturlandschaft und um das Biotop „Streuobstwiese“.

Eine Streuobstwiese mit älteren Bäumen beherbergt bis zu 3000 verschiedene Tierarten, darunter unzählige Insekten, die wiederum andere Tiere anziehen. In den Baumhöhlen oder künstlichen Röhren wohnt der Steinkauz, immer auf der Mäusejagd. Igel, Grünspecht, großer Abendsegler und Haselmaus sind weitere typische Vertreter auf Streuobstwiesen. Auch Baumpilze sind Bewohner auf Obstbäumen, die sichtbaren Konsolen sind Anzeichen für einen allmählichen Verfall des Baumes, bedeuten aber noch lange nicht dessen Tod. Gepflegte Apfelbäume können bis zu 150 Jahren alt werden, Birnbäume sogar bis zu 300 Jahre.

In seinem Vortrag ging Stephan Grote auch auf ganz praktische Tipps zur Pflanzung und Pflege von hochstämmigen Obstbäumen ein und verwies auf Fördermöglichkeiten für Neupflanzungen. Die Zuhörer werden ihren Baumveteranen in Garten und Obstwiese in Zukunft sicherlich ganz viel Aufmerksamkeit und Pflege zukommen lassen und ihre alten Bäume als Juwelen betrachten.

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