Wildbienen, interessante Insekten von großer Bedeutung

Veröffentlicht am 1. März 2013  |  

– ANTL-Veranstaltungsbericht –

Der großen Bedeutung der Wildbienen für die Bestäubung wird aktuell in der Wissenschaftszeitung „Science“ ein Beitrag gewidmet verbunden mit dem Appell, dass der Lebensraum der Wildbienen besser geschützt werden muss. Dies war auch der Tenor des ANTL-Vortrags von Klaus-Dieter Kerpa, Firma Neudorff, am vergangenen Dienstag im Naturschutzzentrum Sägemühle. „Bienen kennt jeder, aber Wildbienen?“ Zunächst räumte der Referent mit der irrigen Vorstellung auf, dass Wildbienen stechlustig und aggressiv seien. Es gibt in Deutschland ca. 580 Wildbienenarten und jede Art unterscheidet sich neben den äußerlich erkennbaren Merkmalen in der Lebensweise.

Auch die Hummeln sind den bienenartigen Insekten hinzuzurechnen. Ihre Bestäubungsleistung in der Natur ist besonders hoch, da sie 5 x mehr Blüten pro Stunde anfliegen als Honigbienen, bis in den Abend fleißig bestäuben und auch schon bei niedrigen Temperaturen aktiv sind. Hummeln bilden einen Sommerstaat von 200 bis 300 Individuen. Die allein überwinterte Königin legt ein paar Eier, bebrütet diese und versorgt die ersten Larven mit eiweißhaltigem Pollenbrot. Später übernehmen dies Arbeiterinnen. Hummeln bewohnen Hohlräume im Erdreich oder hinter einer Trockenmauer, sie fliegen das oberirdische Einschlupfloch an, wollen dann aber laufend in ihr Quartier gelangen. Die Baumhummel lebt in Baumhöhlen alter Bäume. Auch oberirdische Hummelkästen werden von den Insekten angenommen. Wegen ihrer großen Leistung werden Hummeln bereits gezüchtet und im Gartenbau als Bestäuberinnen in Gewächshäusern und in Obstanlagen eingesetzt.

Die meisten Wildbienen leben als Einsiedler. K. D. Kerpa zeigte eindrucksvoll mit Foto- und Filmmaterial das Leben von Blattschneiderbiene, roter Mauerbiene (Osmia bicolor), Sandbiene, Blauer Holzbiene und der auf Kalkmagerrasenflächen lebenden Mauerbiene (Osmia aurulenta). Letztere verfolgt ein besonders aufwendiges System des Nestbaus. Ein leeres Schneckenhaus wird zunächst mit einem Speichelbrei aus Blättern äußerlich markiert, dann etwas Pollenbrot in das Innere gebracht, ein Ei dazu gelegt und die erste Brutkammer verschlossen. Es folgen so weitere Brutkammern, zum Schluss wird das Schneckenhaus gut abgedichtet. Noch nicht genug des Guten: das Schneckenhaus wird dann ebenerdig vergraben und mit Kiefernnadeln oder trockenen Gräsern zeltartig getarnt. Die meisten Wildbienenarten legen ihre Brutkammern allerdings in Hohlräumen, Ritzen, hohlen Stängeln an. Dafür ist möglichst viel Struktur im Garten und in der Landschaft wichtig. Künstliche Nisthilfen gibt es in vielfältiger Form als Insektenhotels. Da die benötigten Niströhren der Wildbienenarten unterschiedlich groß sein müssen, empfiehlt es sich, hohle Bambusstiele oder Hollunderzweige zu bündeln und nicht schwankend mit Ausrichtung zur Sonne aufzuhängen, Bohrungen in Hartholz sollten Bohrtiefen von 10 bis 15 cm haben, die Bohrlöcher eine Mischung von 2 bis 8 mm im Durchmesser.

Aber nicht nur das Angebot an Brutraum ist notwendig für die Förderung von Bienen und Hummeln. Blütenreiche Gärten mit Stauden und einheimischen Gehölzen, artenreiche Wiesen, Klee- und Rapsfelder, ein Blütenflor von März bis zum Herbst sind für die Ernährung der Wildbienen genau so wichtig.

  • Archiv