Unter dem großen Dach der LNU

Rainer Seidl

Keine Straße wird im Tecklenburger Land gebaut, ohne dass die ANTL mitplant, keine Abgrabung begonnen, bei der die ANTL nicht auf die Belange der Natur hinweist und manchen Politiker nervt die ANTL, indem sie beharrlich auf der Erfüllung der Ansprüche des Naturschutzes besteht. Am ehrenamtlichen Naturschutz, vertreten durch die ANTL kommt im Tecklenburger Land kein Planer vorbei. Das war nicht immer so.

Im Jahre 1976 gegründet, wuchs die ANTL rasch und gewann zunehmend in Gemeinden und Kreis Einfluss, indem sie sich vehement in das politische Tagesgeschäft  einmischte, wenn sie die Interessen des Naturschutzes nicht angemessen berücksichtigt sah. Ob die Naturschützer allerdings gefragt wurden, blieb dem Belieben der Vertreter aus Politik und Verwaltung überlassen oder der Verein musste sich im Zweifelsfalle der großen Schwester, dem DBV – Deutschen Bund für Vogelschutz  (heute Naturschutzbund Deutschland – NABU) bedienen. So betrieb 1987 der damalige Vorsitzende Rainer Seidl die Aufnahme in die LNU – Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt Nordrhein-Westfalen. Damit erreichte die ANTL selber den Status eines nach dem einstigen § 29 Bundes-Naturschutz-Gesetz (BNatSchG) anerkannten Verbandes. In der Praxis bedeutete dies einen deutlich gesteigerten Einfluss auf Planungsverfahren von Kommunen, Kreis und Land. Gleichgültig, ob im Außenbereich eine Straße geplant, ein Gewässer neu geschaffen oder verlegt, ob Kohle, Ton, Sand oder Sandstein abgegraben werden soll, die ANTL bekommt die Akten auf den Tisch und ihre Stellungnahmen können nicht mehr  ohne weiteres ignoriert werden. Auch bei der Ausweisung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, bei Flurbereinigungsverfahren, dem Feuchtwiesenprogramm und der Erweiterung der Kanäle, die ANTL ist in den Planungsgremien vertreten und macht die Interessen der Natur geltend.

Dank der guten Zusammenarbeit der drei anerkannten Naturschutzorganisationen im Kreis BUND, NABU und LNU vertritt jeder Verband die beiden anderen in seinem Bereich, den die damaligen Vorstände untereinander abgegrenzt hatten. Vertreter der ANTL werden in zahlreiche einflussreiche Gremien berufen, so hatten sie mehrmals den Vorsitz des Landschaftsbeirates inne und auch den Vorsitzenden der Biologischen Station stellt die ANTL. Allerdings bedeutete die gesetzliche Beteiligungspflicht eine Menge Arbeit für die aktiven Mitarbeiter, denn die Anzahl der zu erledigenden Verfahren gehört zu den höchsten in Nordrhein-Westfalen und übersteigt oft die personellen Reserven des Vereins und die zeitlichen Möglichkeiten der einzelnen Sachbearbeiter.

Die LNU ist mit über 300 000 Einzelmitgliedern in 84 Vereinen der größte Verband für Natur, Umwelt und Heimat in NRW und hat ihren Sitz in Arnsberg. Neben zahlreichen kleinen Gruppierungen gehören so große und bekannte Organisationen wie der Westfälische Heimatbund (Dachorganisation aller Heimatvereine), der Sauerländische Gebirgsverein, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Alpenverein der LNU an. Vorsitzender ist zurzeit der WDR-Journalist Mark vom Hofe, seine beiden Stellvertreter sind so profilierte und bekannte Naturschützer wie Prof. Dr. Wilfried Stichmann und Dr. Wolfhard von Boeselager. Auf der Ebene der Landesregierung NRW werden die Naturschutzinteressen gemeinsam mit BUND- und NABU-Landesvorständen vertreten, unter anderem in häufigen Gesprächen mit der Umweltministerin. Die ANTL gilt in der LNU als einer der aktivsten Vereine überhaupt und ist mit Rainer Seidl auch im erweiterten Vorstand vertreten.